Samstag, 20. August 2016

Die Unglückseligen

von Thea Dorn

erschienen bei KNAUS im Februar 2016 für 24,99 EUR


Inhalt 
 ( entnommen: KNAUS )
 Johanna Mawet ist Molekularbiologin und forscht an Zebrafischen zur Unsterblichkeit von Zellen. Während eines Forschungsaufenthalts in den USA gabelt sie einen merkwürdigen, alterslosen Herrn auf. Je näher sie ihn kennenlernt, desto abstrusere Erfahrungen macht sie mit ihm. Schließlich gibt er sein Geheimnis preis. Er sei der Physiker Johann Wilhelm Ritter, geboren 1776. Starker Tobak für eine Naturwissenschaftlerin von heute. Um seiner vermeintlichen Unsterblichkeit auf die Spur zu kommen, lässt sie seine DNA sequenzieren. Als Johannas Kollegen misstrauisch werden, bleibt dem sonderbaren Paar nur eines: die Flucht, dorthin, wo das Streben nach wissenschaftlicher Erkenntnis und schwarze Romantik sich schon immer gerne ein Stelldichein geben - nach Deutschland.


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Irgendwie war ich einfach gespannt auf das Buch, als ich es in den Neuerscheinungen entdeckte. Vielleicht ein wenig, weil mich die Genetik interessiert, vielleicht ein wenig, weil mich der Titel und das Bild angesprochen haben und vielleicht auch ein wenig weil ich die Autorin so interessant finde. 
Was mich erwartet, wusste ich allerdings nicht und bin mit ganz gemischten Gefühlen an die Lektüre gegangen.  
Gleich vorweg: Ich habe 5-6 Monate für dieses Buch gebraucht und finde es auch völlig in Ordnung so.
 Gleich auf den ersten Seiten war ich hin und hergerissen zwischen dem Gefühl etwas Besonderes in den Händen zu halten und dem Gedanken, "Ohje was habe ich mir denn damit angetan".

Die Sprache dieses Buches ist sehr ungewohnt, aber vielfältig und einnehmend. 
Das Buch ist aus drei Perspektiven geschrieben. Johanna, deren Abschnitte in moderner Sprache verfasst sind und von Anglizismen nur so strotzen. Ein Punkt der mich immer wieder störte. So lange war sie doch nun auch nicht in den USA?

"Ich hasse die Evolution. Die Evolution sortiert uns aus, sobald wir aus dem gebär- oder zeugungsfähigen Alter raus sind. Das heißt, sie sortiert uns nicht mal aus. Es ist noch schlimmer: Sie interessiert sich einfach nicht mehr für uns." 
 
Johann, dessen Abschnitte in der Sprache seiner Zeit verfasst wurden und von philosophischen Auswüchsen nur so triefen, das es teilweise Mehrmaliges lesen verlangte, um den Sinn zu erkennen. 


"Wie könnt ich am Leben sein, wenn keiner vor mir wäre gestorben? Sünde ist´s, das, was dem Ganzen vorbehalten, als Einzelner für sich genießen zu wollen. Erst mit dem Tode befreit das Individuum sich von der Schuld, die es auf sich geladen, da es sich abgesondert und Individuum geworden." 
 
Und eine "Stimme aus dem off", die immer wieder Kommentiert. Wer kann diese Stimme sein? Zeitweise dachte ich dort spricht die Autorin, zum Schluss hatte ich eher den Eindruck es könnte eine Göttliche Stimme sein.
[wie habt ihr das empfunden?]  

"Was hielten Sie von diesem Angebote: Da unsre Freunde offensichtlich allesamt beschlossen, heut animalischer als jedes Tier zu sein - wie wär´s, wir ließen sie in ihrem Wahne und lauschten still hinaus in die Natur? Nichts tät´s mich allzu sehr verwundern, wenn dorten wir auf eine Bestie stießen, dern Geist weit nüchterner in dieser Nacht denn der von unsern Zweibeinviechern." 

Die Geschichte selbst hat nicht viel mehr zu bieten, als was die Inhaltsangabe schon hergibt, und erzeugt leider auch nicht viel Spannung. 
Johanna gerät mit ihrer Forschung in den USA an ihre Grenzen. Eigentlich möchte sie sich mit der menschlichen Genetik beschäftigen und nun muss sie an Mäusen experimentieren. Dann tritt Johann in ihr leben und bringt es gründlich durcheinander. Zusammen reisen sie nach Deutschland und begeben sich auf eine mehr oder weniger Gemeinsame experimentelle "Forschungsreise", während wir Stück für Stück Johann´s Abgründe erfahren. 
Ob sein hohes Alter nun das Resultat elektrischer Experimente, evolution oder doch ein Werk des Teufels ist bleibt offen. 
Das Besondere an diesem Buch ist meines Erachtens, nicht die Geschichte, sondern die Umsetzung dieser. 
Für dieses Buch fehlen mir die richtigen Fachbegriffe, um einer angemessenen Beschreibung gerecht zu werden, aber ich habe das Gefühl dieses Buch hat Preise verdient, ist etwas das der deutschen Literatur schon lange fehlte und sollte zukünftig als Deutschlektüre diskutiert werden. 

Eine absolute Empfehlung für alle die einen zukünftigen Klassiker nicht verpassen möchten, wer Thea Dorn mag und vor Anspruch nicht zurückschreckt. 



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Samstag, 6. August 2016

Warum es so still geworden ist





Hallo liebe Bücherfreunde, Blogger und Zufallsleser,

in letzter Zeit ist es auf meinem Blog sehr still geworden, es erscheinen höchstens zwei Rezensionen und auch auf Instagram gibt es von mir nicht viel zu sehen. 
Mein Leben ist zur Zeit im Umbruch, ich habe mich entschlossen noch einmal von vorne zu beginnen.
Ab Oktober 2016 werde ich ein Studium beginnen und bin dafür nach Gießen gezogen. 

Ich freue mich schon sehr auf diese neue und aufregende Zeit, die ich auch gerne mit euch teilen möchte. 
Studieren werde ich an der Justus- Liebig Universität "Sprache, Literatur und Kultur" mit dem Hauptfach Germanistik ( Schwerpunt Literatur) und den Nebenfächern Geschichte und Soziologie.

Es wird in nächster Zeit auch ein wenig ruhiger bleiben, aber ich finde bestimmt mehr Zeit für euch als die letzten Wochen. Ich hoffe mich nun auch endlich wieder mehr meinen geliebten Büchern widmen zu können, denn ohne gelesenes gibt es auch keine Rezensionen!

Also, bis bald ihr lieben. Wir lesen uns! 

Sonntag, 24. Juli 2016

Kopfüber zurück

von Rebecca Wait


erschienen bei Kein & Aber im Februar 2015 für 19,90 EUR


Wenn ich ganz ehrlich bin, habe ich zuerst wegen dem Cover zu diesem Buch gegriffen und in zweiter Linie wegen dem Klappentext. Ich bin ja im Allgemeinen ein Fan von Familienschicksalen und kann mich schnell für solche Geschichten begeistern bei denen man emotional mitgeht und genau das habe ich mir von diesem Buch erhofft. 
Es geht in dem Buch um eine Familie bestehend aus Mutter, Vater zwei Söhnen und einer Tochter, die das Kücken der Familie ist. 
Kern dieses Buches ist, das der ältere der Söhne an einer schweren Psychischen Erkrankung leidet und welche Auswirkungen dies auf die Familie hat. 

Wir befinden uns im Buch in der Gegenwart und erfahren Stück für Stück was mit der Familie in den letzten Jahren geschehen ist. 
Erzählt wird abschwechselnd aus verschiedenen perspektiven, überwiegen tun aber die Tochter und der jüngere Sohn, was ich sehr gelungen finde.
Ich hatte gleich von der ersten Seite an das Gefühl Teil der Geschichte zu sein und die Charaktere persönlich zu kennen. Es ist von vorne bis hinten eine sehr melancholische und stille Geschichte die aber sehr zu Herzen rührt. 
Ein wunderschöner Schreibstil, der leicht ist, aber auch fesselt und berührt. 
Ich war schon lange nicht mehr so in einer Geschichte gefangen.
Ich glaube das wir von dieser jungen Debütautorin noch ganz viel tolle Bücher erwarten dürfen.  

Donnerstag, 7. Juli 2016

nicht ganz mein typ

von Björg Magnussdottir



erschienen bei Suhrkamp/Insel im Mai 2016 für  €12,99


Dieses Buch habe ich bei einer Verlosung auf Lovelybooks gewonnen und mich riesig gefreut. Ich war richtig in der Stimmung für ein junges, frisches, leichtes Buch und habe auch bekommen, was ich erwartet hatte.
In dem Buch geht es um 4 Freundinnen die in Islands Hauptstadt leben und ihre Männersorgen. 
Klingt jetzt wie Sex an the City auf Island und so ist es auch ein wenig. 
Die Kapitel sind immer abwechselnd, ohne dabei wirklich ein System zu haben aus der Sicht der vier Freundinnen, allerdings kam eine viel zu kurz und ich hatte nicht das Gefühl diesen Charakter auch nur ein wenig kennengelernt zu haben. 
Die Mädels sind alle etwas überzogen gezeichnet, genau wie die Situationen in die sie geraten, was mich einerseits etwas störte, aber andererseits vielleicht auch gerade deshalb zur Unterhaltung beigetragen hat. 
Die Gespräche der Mädels untereinander fand ich jedoch sehr schön und konnte mich teilweise mit ihnen verbunden fühlen. 
 Wie gesagt geht es vor allem um Männer um Sex um Schwiegereltern um Freundschaft und den Beruf. 

Leichte Lektüre, die sich schnell nebenbei liest ohne wirklichen Tiefgang. 
Ich bin gespannt auf den nächsten Teil, der dieses Jahr noch erscheinen wird. 
 

Sonntag, 12. Juni 2016

Kirschblüten und rote Bohnen

von Durian Sukegawa


erschienen bei DuMont im März 2016 für 18,00

Dies ist ein Buch über Freundschaft, über die Bewältigung der Vergangenheit und wie sich gnadenlos in unserem zukünftigen Leben festkrallt. 

Wir begleiten Sentaro, einen Ex-Häftling bei seiner Arbeit in einem Doriyaki laden. Doriyaki sind Pfannkuchen, gefüllt mit einer Paste aus roten Bohnen. Eigentlich hat er sich sein Leben anders vorgestellt und hängt noch immer sehnsüchtig seinen Träumen und seinen verpassten Chancen nach. Eines Tages kommt eine alte Frau in seinen Laden und möchte gerne bei ihm aushelfen, er lehnt jedoch ab, findet sie sei zu alt und hat ein wenig Hemmungen wegen ihrer deformierten Hände, aber sie bleibt hartnäckig und schon bald arbeiten die beiden zusammen. Die dritte Hauptperson in diesem Buch ist Wakana, ein Schulmädchen aus schwierigen Verhältnissen, welche sich besonders mit Tokue sehr gut versteht. 
Ich fand es eine kurzweilige aber berührende Geschichte, die einem die Doktrinen der Vergangenheit vor Augen führt. Wir werden es wohl nie ganz schaffen uns von der Vergangenheit zu lösen, aber wir können lernen das beste daraus zu machen. Ich glaube, jeder kann sich seine eigene kleine Weisheit aus diesem Buch mitnehmen und das finde ich sehr schön an dieser Geschichte. Freundschaft, Küchenphilosophie, Sinn des Lebens, Stigmata und Geschichte sind alles Themen, die hier zu finden sind und anderen Lesern fallen bestimmt noch mehr auf.
 Das Buch hat mich nicht vom Hocker gehauen, aber es hat mich doch ein wenig berührt und auf jeden Fall gut unterhalten. 

Eine Empfehlung wer gerne mal wieder etwas leichtes lesen möchte ohne ganz auf Anspruch verzichten zu müssen.  



Donnerstag, 26. Mai 2016

Pasta & Sauce aus 1 Topf

von Emilie Perrin



erschienen bei Bassermann Inspiration  im Februar 2016 für €9,99


Pasta und Sauce aus einem Topf kennt man vielleicht eher als "One-Pot- Pasta".
Seit ich das vor einigen Jahren auf Pinterest entdeckt habe, suche ich immer wieder nach neuen Inspirationen. Natürlich bin ich auch ein großer Nudel Fan und was ist da besser als ein schnell und unkompliziert zubereitetes Nudelgericht. 
Leider muss ich sagen das auch dieses Buch aus dem Bassermann Inspiration Verlag mich enttäuscht hat. 
Es ist wieder nur ein leichtes kleines Heftchen, mit wenig Inhalt. 
Auch hier ist der Aufbau wieder sehr einfach gehalten: eine winzig kleine Einführung, dann die Rezepte, kurz und knapp, mit einem Bild dazu, was ich super finden würde wenn das Bild denn auch was mit dem gekochten zu tun hat. 
Die Rezepte sind allerdings auch wirklich sehr einfach, sodass ich hier wirklich nicht mehr Infos brauchen würde.

 
Auf den Bildern, das leckerste (links) und das ekeligste (rechts) Rezept.


Jetzt zu den Rezepten selbst, es gibt eine relativ bunte Auswahl für jeden Geschmack, allerdings ist das Buch eher Fleischfresser freundlich als für Vegetarier, wie meine Mitbewohnerin feststellen musste. 
Die Rezepte hören sich überwiegend sehr gut an und gleich das erste Rezept welches ich ausprobierte war der Knaller! Es war so lecker das ich es nun schon häufiger in meinen Speiseplan aufgenommen habe. 
Ok, es ist ein nicht allzu kreatives Rezept und besteht eigentlich nur aus Spaghetti mit kirschtomaten, Feta und Basilikum. 
Als ich mich dann aber an die etwas ausgefalleneren Rezepte machte, wurde ich sehr enttäuscht! die Mengenangaben waren teils unpassend, sodass eher eine Nudelsuppe bei raus kam. Oder es hat einfach nur ganz ekelhaft geschmeckt. 
Besonders gewundert hat es mich bei Rezepten die so unglaublich gut klangen und so toll auf den Bildern aussahen und dann so ganz anders im Ergebnis waren. Dazu muss ich sagen, viel falsch machen konnte man da wirklich nicht!
 Auf Pinterest gibt es weitaus bessere Rezepte zu finden und man sich den kauf dieses Buches wirklich sparen.
Gerne würde ich mehr schreiben, aber viel gibt es über dieses kleine Büchlein nicht zu sagen.
 

Donnerstag, 19. Mai 2016

Die Expedition

von Bea Uusma


erschienen im btb Verlag im Februar 2016 für € 29,99 als HC

So ganz genau wusste ich nicht, was mich da erwartet als ich die Verlagsvorschau durchblätterte und dieses Buch meinen Blick anzog. Als ich es dann im Laden liegen sah, hatte ich mir etwas ganz anderes vorgestellt, aber mein Interesse wurde nur umso größer. 
Gleich vorweg, dies ist ein Sachbuch und erscheint in einer, leider etwas unhandlichen, aber wunderschönen Schmuckausgabe. Kann man das so nennen? Es hat das Format eines Bildbandes und ist sehr kreativ gestaltet, sodass es überhaupt nicht trocken daher kommt, wie so manch anderes Sachbuch. 
Bea Uusma eine Ärztin und Illustratorin kommt aus Schweden und hat, wie viele Schweden, von der Andree Expedition gehört die im ewigen Eis verschollen ging. 
Die Autorin war sofort von dieser Geschichte gefesselt und reiht sich nun hiermit in eine lange Reihe von Forschenden ein, die alle ihre eigenen Theorien zu den Geschehnissen von damals haben, wie Bea sehr schön darstellt. 



Wir erleben das Buch auf drei Arten. Zum einen begleiten wir Bea auf Ihrer Reise das Rätsel, um den tot der drei Männer zu lösen, dann begleiten wir Salomon August Andree, Nils Strindberg und Knut Fraenkel auf ihrer, Rekonstruierten, Reise und dann bekommen wir zwischendrin eine Sammlung von Briefen, Notizen, Tabellen, Bildern und Faktensammlungen. 
Der Aufbau ist genial, sodass man als Leser gleich total gefesselt vom Geschehen ist und sich sogar als Teil fühlen kann. Denn die Bea lässt dem Leser die Möglichkeit mit zu rätseln, was mir unglaublich viel Spaß gemacht hat.
Eine Liebesgeschichte gibt es auch in diesem Buch, denn Nils Strindberg hatte damals seine verlobte zurück gelassen und ihr regelmäßig, während der Expedition Briefe geschrieben. 

Es ist die Geschichte von 3 Männern die keine Ahnung haben was sie sich da, 1887 mit einem Heißluftballon, vorgenommen haben und deren Leichen erst 33 Jahre später auf einer schwer zugänglichen Insel im Polarmeer gefunden wurden. Seither ranken sich viele Theorien um diese Expedition und was ihnen passiert sein könnte.

Das Buch ist wirklich etwas ganz besonderes, das Thema nicht weltbewegend aber anrührend und unglaublich spannend erzählt.