Samstag, 27. Februar 2016

Mademoiselle Marie hat von der Liebe genug

von Gilles Legardinier


Goldmann - Januar 2016 - 8,99 - TB - 448 Seiten - 
Autoren Website



Der dritte Band in deutscher Sprache von diesem Autor musste unbedingt von mir gelesen werden, nachdem ich den zweiten Band "Monsieur Blake und der Zauber der Liebe", sowie den Protagonisten ins Herz geschlossen habe.
An solche Bücher sollte man keine hohen Erwartungen stellen, sie dienen der Unterhaltung.
Und ich wurde gut unterhalten. 

Wir begleiten Marie, die als Personalmanagerin in einem Familienunternehmen arbeitet, nach einer schweren Trennung und in einer Phase in der die Firma auseinanderzubrechen droht. 
Marie hat, wie der Titel erahnen lässt, der Männerwelt den Krieg erklärt, wodurch der Geschichte um die Liebe, ein paar lustige, aber doch etwas überzogene Szenen beigefügt wurden.

Die Sprache ist sehr französisch, so wie die Dialoge zwischen den Charakteren und wem diese Welt völlig fremd ist, oder wer sich mit dem französischen Film noch nie anfreunden konnte, der wird hier eventuell kein Vergnügen haben. Ich finde es allerdings schön, das es bei der Übersetzung nicht "eingedeutscht" wurde und man sich stattdessen lieber in die Französische Sprechart einfühlen muss. 

Wie schon einmal erwähnt sind einige Szenen doch sehr überzogen dargestellt und ich muss leider sagen das mir sein Frauenbild in diesem Band einfach nicht zugesagt hat. Im letzten Buch war der Protagonist ein Mann und ich konnte seine Art die Dinge zu sehen, zu sagen oder zu tun eher nachvollziehen, als wenn Marie so etwas tat oder sagte. Das war mir irgendwie fremd. 
So begeistert ich am Anfang des Buches darüber war, dass er es wundervoll schaffte, von tiefer Traurigkeit zu lustigen Szenen zu wechseln. So enttäuscht war ich jedoch von der Entwicklung der Geschichte, nur eine Szene konnte mich so richtig berühren und das finde ich sehr schade, da ich ja eigentlich von so einem Buch erwarte, das mein weibliches Schmachtherz angesprochen wird. Das hat es leider nicht geschafft, unterhaltsam war es aber trotzdem. Im Vergleich mit dem Vorgänger leider schlechter. 

Ich kann das Buch nicht unbedingt empfehlen, den Vorgänger "Monsieur Blake und der Zauber der Liebe", in dem Freundschaft ein großes Thema, dagegen sehr.

Freitag, 19. Februar 2016

Der Pfau

von Isabel Bogdan


Kiepenheuer&Witsch - Februar 2016 - 18,99 - HC - 256 Seiten


Der erste Roman von Isabel Bogdan, die überwiegend als Übersetzerin arbeitet und unter anderen Jonathan Safran Foer und Sophie Kinsella übersetzt hat, stellt ein besonderes Tier in den Mittelpunkt. Den Pfau.

In dieser, sehr kurzweiligen Geschichte dürfen wir 5 Bänker, eine Psychologin und deren Köchin in die schottischen Highlands begleiten, wo sie sich zu einem Teambuilding Seminar zusammengefunden haben. Der einzig schottische Charme, der dem Leser begegnet, kommt leider lediglich von den zeitweiligen Erwähnungen von typisch schottischen Getränken wie Whiskey.
Tatsächlich gab es eine Situation mit viel lustigem Potenzial, welches leider ungenutzt blieb, als eine Schottin vom Lande und ein Londoner Städter, sprachlich aufeinander treffen. Schade.

Der Hauptdarsteller, der Pfau, ist schon nach kurzer Zeit tot, sorgt aber weiterhin für Fragen, Verschwörungen, Sorgen und einem leckeren Essen. 

Mir fällt es sehr schwer viel über diese Geschichte zu sagen, da ich sie als sehr inhaltslos empfunden habe. Der angekündigte subtile britische Humor ging mir leider auch völlig verloren, tauchte hin und wieder sehr gewollt auf und konnte nur zum Schluss einmal richtig für Erheiterung sorgen. 

Die Szene im Hot Tub hat mir am besten gefallen, sie war durchaus bedeutungsvoller als die anderen Begegnungen. 
Es wurden in diesem Buch einfach ein paar sehr Klischee behaftete Personen in ein Haus gesteckt, welches so auch gut in Schweden auf dem Land hätte stehen können, die alle ihre sehr kurzweiligen und wenig tief gehenden Gedanken mit dem Leser teilten. 
Die Wahl der indirekten Rede fand ich sehr passend gewählt und sie unterstützte das Bild, dass jeder sein kleines Geheimnis von den Tagen mitnahm.

Ich hatte das Gefühl von ungenutzten Potenzial, zu sehr gewollter Komik und einer Geschichte, die im Kopf der Autorin bestimmt viel toller ist als das, was auf dem Papier gelandet ist. Vielleicht als Film besser geeignet? Schade ich würde gerne mehr Positives sagen. Sprachlich auch sehr einfach gehalten.
Kurzweilige Unterhaltung, die durchaus positive Rückmeldungen in der Bücherwelt bekommen hat. 





  

Mittwoch, 17. Februar 2016

Lucy fliegt

von Petra Piuk


Kremayr-Scheriau -- Februar 2016 -- 19,90 / 14,99 -- HC/ EBook -- 192 Seiten 
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  Dieser Debütroman war für mich sehr überraschend und der Inhalt völlig unerwartet. 
Cover und Inhaltsangabe versprechen eine spritzige Unterhaltung, vielleicht humorvoll? Vielleicht ein Abenteuer?
Auch wenn es sich dann doch als was ganz anderes entpuppte, waren die Vermutungen gar nicht so falsch. 

Wir begleiten in dem recht kurzem Buch von 192 Seiten, eine junge Österreicherin auf einem Flug und dürfen dabei einen Blick in Ihre Psyche und ihr Leben werfen. 
Geschrieben wurde das Buch aus der Perspektive von Lucy, die eigentlich Linda heißt, indem wir ihren Gedanken lauschen dürfen, unterbrochen nur zeitweise von kurzen Dialogen mit weiteren Flugpassagieren. 

Kapitel werden nicht direkt unterschieden, jedoch ein neuer Abschnitt durch eine "Stimme aus dem Off" gekennzeichnet, die bissig und wissend ein Urteil über Lucy/Linda im kommenden Abschnitt fällt.

"Lucy,23, träumt ihr Leben. Lebt ihren Traum, wollten wir natürlich sagen. Lucy lebt ihren Traum. Träumt ihr Leben, so ein Schwachsinn. Immer diese Versprecher." [S.152]

Das Buch beginnt sehr humorvoll, ironisch, jedoch auch etwas holprig, denn wer vollständig ausformulierte Sätze schätzt, der sucht sie in diesem Buch vergeblich. Auch wenn mir dies nicht so ganz zusagte, da es meinen Lesefluss störrte, gehört es zu dem Gesamtbild der Protagonistin das mit diesem Roman gezeichnet wird. 
Das Lachen wird jedoch von Abschnitt zu Abschnitt verhaltener, den Lucy lässt uns bei ihren Gedankenkreiseln, an Erinnerungen an die Kindheit Jugend und letzten Wochen Teilhaben.

Petra Piuk hat es auf sehr ungewöhnliche Weise und mithilfe ihrer Dokusoap-Erfahrungen geschafft, uns an der Psyche und dem Werdegang einer jungen Frau teilhaben zu lassen und dem Leser das Grinsen im Gesicht gefrieren zu lassen.
 
"Da war nichts so wie bei Pretty Woman, sag ich euch, gar nichts war da wie bei Pretty Woman" [S.103]

Aber das Buch kann noch mehr! Es ist eine Kritik an unserem TV-Konsumverhalten, an unseren Wertevorstellungen und sogar an der Bildungspolitik.
 So wenig Seiten es auch sind, sie haben sehr viel Inhalt zu bieten und ich kann dieses Buch jedem Empfehlen der Interesse an der Psyche des Menschen hat, offen für experimentellere Schreibstile ist und inhaltsschwere Themen nicht scheut. 


 

Dienstag, 16. Februar 2016

Der Preis der Leipziger Buchmesse 2016



Pünktlich zur Leipziger Buchmesse gibt es natürlich auch wieder die Liste der Nominierten, die ich hier mit Euch teilen möchte.

Nominiert wurden 15 Autoren in drei verschiedenen Kategorien von sieben deutschen Journalisten und Literaturkritikern. 

Nominierungen der Kategorie Belletristik:


Nis-Momme Stockmann: "Der Fuchs"
Heinz Strunk : "Der goldene Handschuh"
Guntram Vesper: "Frohburg"


Nominierungen der Kategorie Sachbuch / Essayistik



 Nominierungen in der Kategorie Übersetzung

Claudia Hamm: übersetzte aus dem Französischem: "Emmanuel Carrère: Das Reich Gottes"
Frank Heibert: übersetzte aus dem amerikanischen Englisch: "Richard Ford: Frank"
Ursula Keller: übersetzte aus dem Russischen: "Michail Ossorgin: Eine Straße in Moskau"
Brigitte Döbert: übersetzte aus dem Serbischen: "Bora Ćosić: Die Tutoren"
 Kirsten Brandt: übersetzte aus dem Katalanischen: "Joan Sales: Flüchtiger Glanz"


Schade finde ich bei den Nominierungen das noch keines der Bücher der ersten Kategorie veröffentlicht wurde. Aus der zweiten Kategorie sind bis auf eines alle bereits erschienen und in der dritten Kategorie sind bis auf eines auch alle bereits erschienen.
Besonders auffällig finde ich allerdings das ein Großteil der Bücher außerhalb der üblichen Preisspannen, teilweise im 30 € Bereich verkauft werden... 
 Spannend ist das, trotz meiner Recherchen in den Neuerscheinungen diverser Verlage, diese Erscheinungen an mir vorbei gegangen sind. Umso neugieriger bin ich nun geworden, denn jetzt möchte ich wissen dahinter steckt. 
 Ich empfehle Euch mal auf der Seite der Buchmesse nach zu lesen, denn da findet Ihr eine kurze Begründung, warum gerade dieses oder jenes Buch es unter die Nominierten geschafft hat. 

 

Ich persönlich habe unter den genannten einiges Interessantes entdeckt und werde mir das ein oder andere vor der Buchmesse zulegen, um es zu entdecken. 
Sind Euch einige dieser Kandidaten bekannt? Wenn nicht, welche sind nach diesem Beitrag interessant geworden?

Ich würde mich sehr über Eure Kommentare freuen.


[Bücher wie genannt von links nach rechts] 


Mittwoch, 10. Februar 2016

Kommt ein Pferd in die Bar

von David Grossman


erschienen im Hanser Verlag
am 01.02.2016
Für 19,90

"Dovele, der Comedian, tritt auf. "Nun denn, Brüder und Schwestern, seid ihr bereit? Hier kommt die irsinnig komische Geschichte über die erste Beerdigung meines Lebens...". Es ist Doveles eigene Geschichte, die er erzählt, und bald weiß das Publikum nicht mehr, ob es lachen oder weinen soll.
(Quelle: Klappentext)

David Grossman

 

David Grossman wurde 1954 in Jerusalem geboren und gehört zu den bedeutendsten Schriftstellern der israelischen Gegenwartsliteratur. 2008 erhielt er den Geschister-Scholl-Preis, 2010 den Friedenspreis des deutschen Buchhandels (Quelle: Verlagsseite)

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Kaum haben wir die erste Seite aufgeschlagen, sitzen wir in einem kleinen Theater in Netanja und werden live, Zeuge einer Darbietung besonderer Art.
 Der Stand-up-Comedian Dovele hat zu seiner Show geladen und wir sitzen als Leser mitten im Publikum, neben einem Bekannten aus Doveles Kindheit, und lauschen abwechselnd den Gedanken seines bekannten und der Darbietung auf der Bühne. 

"Er schickt sein Clownslächeln mit aufgerissenem Mund von der Bühne hinab: Nun denn, Brüder und Schwestern, seid ihr bereit?"(S.88)

Die Vorstellung beginnt mit vielen Lachern und die Stimmung ist großartig, während Dovele sich und das Publikum auf dem Arm nimmt. So langsam bemerken wir, das immer zynischere Kommentare in die Show einfließen, immer mehr politische Themen aufkommen. Und in den Momenten in denen Dovele gnadenlos auf Distanz, Anstand und politisch korrekte Wortwahl verzichtet, spüren wir, wie die Stimmung auf den Nullpunkt sinkt und so wie die anderen Zuschauer zögern, ob sie weiter zuhören sollen, so hadert der Leser dem, was ihn auf den kommenden Seiten erwartet. 
Kein Schlag ist ihm zu tief, kein Thema tabu und so macht er auch vor seinem jüdischen Volk, den Konflikten mit den Palästinensern oder der Shoah [=Holocaust] nicht halt. 

Aber immer wieder schafft er es das wir doch wieder hinsehen oder weiterlesen werden, denn plötzlich hat sich seine Geschichte so rasant geändert, dass die Stimmung wieder auf dem Hochpunkt und die Gewalt seiner Worte vergessen scheint. 
Aber Dovele macht auch vor sich selbst nicht halt und präsentiert sich hier nackt im physischen wie im seelischen Sinne. 
Subtil flechtet er die Erlebnisse seiner Kindheit in seine Slapsticks ein und nur langsam bekommt das Publikum mit wo der Abend hinführt, während es noch herzlich über die Witze lacht und Dovele zitternd aber lachend auf der Bühne seine traurige Erinnerung teilt.

"Wie hat er uns dazu gebracht, uns in seiner Seele zu Hause zu fühlen und uns zu seinen Geiseln gemacht?" (S.77)

Ein unglaublich gutes literarisches Werk. Nicht nur die Thematik ist großartig, aktuell und regt zum Nachdenken an. Auch hat der Autor hier wirklich perfekte stilistische Arbeit geleistet.
Der Übersetzerin Anne Birkenhauer muss an dieser Stelle auch ein Lob ausgesprochen werden, da ich mir gut vorstellen kann, das es nicht ganz einfach war dieses Werk zu übersetzen, Hut ab. 
Das Buch ist für mein literarisches Verständnis rundum perfekt : Stil, Sprache, Übersetzung, Charaktere, Inhalt, Setting. Alles perfekt gewählt und harmonisch. Ich kann nur staunen. Wenn dieses Buch keine Preise gewinnt, dann weiß ich auch nicht.

Eine absolute Empfehlung!



Montag, 8. Februar 2016

Pure Landlust

Literarische Träumereien vom Leben in der Natur



erschienen im Hörverlag
am 14. April 2015
Für 19,99


Da ich seit einiger Zeit ein Großer Hörbuch Fan bin und immer wieder nach neuen Entdeckungen suche, wollte ich mich mal an eine Kurzgeschichten Sammlung wagen. 

Dieses Hörbuch enthält Kurzgeschichten und Gedichte zum Thema Natur, sei es das die Geschichte in der Natur spielt oder die Natur selbst in dieser gepriesen wird. Es ist eine bunte Mischung und es sollte für jedes Naturbedürfnis etwas dabei sein. 

Autoren der Kurzgeschichten und Gedichte sind unter anderen: 
Hans Christian Andersen, Wilhelm Busch, Johann Wolfgang von Goethe, Hermann Hesse, Erich Kästner,...
und so könnte ich ewig mit berühmten Namen weiter machen. 

Wie schon erwähnt sind die Geschichten thematisch und stilistisch sehr durchwachsen, so bunt die Auswahl an Berühmtheiten, so bunt die Inhalte. 

Gesprochen wurden diese Geschichte abwechselnd von Wanja Mues, Mark Waschke, Devid Striesow, Dietmar Wunder, Antonia von Romatowski, Johannes Steck, Stefan Wilkening, Stephan Buchheim ( was für ein Nachname! Da wird man als Moers Fan glatt neidisch ) und Susanne Schroeder.  

Das Hörbuch ist optisch und haptisch sehr schön gestaltet und was das angeht schon eine große Freude. Im beiliegendem Heft haben alle Sprecher einen Platz mit einer Kurzbiografie erhalten.

 

Das Hörbuch ist eigentlich eine schöne Idee, aber mich konnte es nicht ganz überzeugen. Einige Stimmen haben mir nicht sehr gut gefallen und ich fand es eher unangenehm zu zuhören, und ich fand die Vielfalt an Sprechern etwas anstrengend, wenn man sich allerdings gezielt eine Geschichte raussucht um diese zu hören, ist das nicht weiter störend. Zum durchhören an einem Stück ist es auch eher nicht geeignet. 

Die Geschichten konnten mich leider auch überwiegend nicht begeistern, so strahlend die Namen, so nichtssagend fand ich teilweise die Geschichten. 
Vielleicht liegt es aber auch daran das mich eine Geschichte ( "Der Gärtner und die Herrschaft" ) besonders begeistert hatte, dass die folgenden dies nicht mehr toppen konnten. 

Dieses Hörbuch ist geeignet für jeden, der sich gerne mal eine Kurzgeschichte rauspicken möchte und vor hat gezielt zu zuhören. Für jeden, der sich nur beschallen lassen möchte oder ein Hörbuch zum schlafen hört, der ist hier falsch.